Der Auwald kehrt zurück

Er ist der artenreichste, undurchdringlichste und in vieler Hinsicht extremste unserer mitteleuropäischen Wälder: Der Auwald und inzwischen leider auch der seltenste Waldlebensraum. Für seine fruchtbaren Böden, das wertvolle Holz und den wichtigen Siedlungsraum wurden weit über 90% der ehemals vorhandenen Wälder der Flussauen in Mitteleuropa abgeholzt. Und mit ihm verschwanden wahre Paradiese für Tiere und Pflanzen ganz in unserer Nähe. Die Wiederherstellung solcher historischer Auwälder steht im Zentrum des Naturschutzgroßprojektes.

Über die letzten Jahrhunderte führten Maßnahmen wie Eindeichung, Strombaumaßnahmen oder Rodungen zum großflächigen Verlust des Auenwaldes in unseren Flussauen. Im Projektgebiet zählte einst die „Lenzener Kuh Blaencke“ zum besonders wertvollen Besitz der Stadt Lenzen. Nur Restbestände waren noch erkennbar, als in den 90iger Jahren ca. 85 ha Auwald gepflanzt wurden.

Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes wird dieser europaweit bedrohte und geschützte Biotoptyp durch Initialpflanzungen von Hart- und Weichholzauenwald auf einer Fläche von ca. 100 ha neue Dimensionen annehmen. Hierzu wurden in einem Pflanzgarten Gehölze aus lokalem Saatgut eigens für das Projekt herangezogen und werden über die Projektlaufzeit in der Elbaue gepflanzt. Die Pflanzung in der Aue stellt aufgrund des extremen Lebensraumes eine besondere Herausforderung dar: Schwerste Lehmböden und leichter Sand, mal Überflutung und mal Sommertrocknis, Eisschäden im Winter und Kaltluftstau im Frühjahr, all' das macht die Aufforstung von Auengrünland zur forstlichen Pionierarbeit. 75 ha Waldfläche wurden im Projekt bereits gepflanzt, weitere 85 ha waren schon in Vorläuferprojekten umgesetzt worden.

Traktor mit Pflanzbohrer
Eiche, frisch gepflanzt
Pflanzarbeiten

Ergänzt durch 146 ha Sukzessionsfläche und den vorhandenen Altbestand entsteht ein Auenwaldgebiet von ca. 350 ha. Dies bedeutet langfristig eine Verdoppelung des derzeitigen Auenwaldbestandes an der Unteren Mittelelbe.

Zukünftige Generationen werden sich wieder am Anblick naturnaher Bestände von Eichen, Ulmen, Schwarzpappeln, Weiden sowie vielen anderen Auenwaldpflanzen und –tieren erfreuen können.

Zusammen mit den beiden letzten größeren Hartholzauenwäldern, des Elbholzes (120 ha) und der Garbe in Sachsen-Anhalt (180 ha) entsteht so eine Biotopverbund von Auenwaldbeständen, vernetzt über die flussbegleitenden Weichholzauenreste.